Die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Medienkunst
verschwimmen in Florian Thalhofers Werk. Mittels eines von ihm
selbst entwickelten Computerprogramms nähert sich der Berliner
Künstler seinem Thema auf eine verblüffende und ungewohnte Weise.
Er erzählt Geschichten und behandelt Themen nicht-linear. Anders
als in einem Dokumentarfilm bestimmt der Zuschauer selbst, wie
der Film weitergeht.
„Vergessene Fahnen“ behandelt das sehr komplexen Verhältnis
der Deutschen zu ihrer Fahne. Lange Zeit taten sich die Deutschen
schwer mit nationaler Symbolik. Während der Fußball-WM 2006 im
eigenen Land schien dies anders. Über all an Autos und Fenstern
sah man Schwarz-rot-gold. So plötzlich dieses Fahnenmeer
entstand, so plötzlich war es nach der WM verschwunden. Die Leute
holten ihre Flaggen wieder ein – bis auf einige Ausnahmen.
Ein halbes Jahr nach der Fußball-WM besuchte Florian Thalhofer
Menschen, die auch Monate nach der schwarz-rot-goldenen Party
ihre Flagge hängen ließen und fragte sie ein wenig ungläubig,
warum. „Ich bin stolz auf Deutschland, weil wir ein so gutes
Sozialsystem haben“, sagt eine Frau aus Baden-Württemberg. Der
Filmemacher trifft auch auf einen jungen Neo-Nazi und
dokumentiert einen betrunkenen Streit zwischen ihm und einem
Kumpel über die Gräueltaten im Dritten Reich.
Der Korsakow-Film "Vergessene Fahnen" wurde im Februar 2007
auf der Website des Goethe-Instituts gezeigt. Nach einigen
Ausstellungen sind Teile des Films heute im Haus der Deutschen
geschichte in Bonn zu sehen.
Florian Thalhofer wurde 1972 in Bayern geboren und lebt heute
in Berlin. Er ist Erfinder des Korsakow-Systems, einer Software,
die eine völlig neue Art des filmischen Erzählens möglich macht.
Er ist Meisterschüler der Universität der künste (UdK) Berlin, an
der er Visuelle Kommunikation und Experimentelle Mediengestaltung
studierte. Er war viele Jahre als Gastdozent an der UdK tätig und
lehrte als Gast-Professor 2005/06 am Literaturinstitut
Leipzig.
Deutsch mit englischen Untertiteln.